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„Das kann man ja mit Kindern nicht machen…“ – Ein Plädoyer für Kunst, Kultur und Städtereisen mit Kindern

 

Ich höre leider immer wieder von Familien, dass sie dieses oder jenes auf Reisen gerne mal wieder machen würden. Ob Städtetrips, Besichtigungen, Museen…

Aber das ginge ja mit (kleinen) Kindern nicht, wobei sich das „kleine Kinder“-Argument z.T. auch noch auf 12jährige bezieht.

 

Wir sind dagegen der festen Überzeugung, dass Kinder, auch kleinere Kinder, so unglaublich offen und begeisterungsfähig sind, dass es eine Freude ist, Ihnen die kulturellen Schätze unserer Welt zu zeigen.

Reisen bietet Bildung zum Anfassen

Kultur und Geschichte kann ja sooo spannend sein. Gerade für Kinder. Wir waren mit 5jährigen in der alten Kaiserstadt in Hue in Vietnam, Weltkulturerbe. Die Jungs sind quasi durchgedreht und hörten gar nicht mehr auf, Fragen zu stellen. Wo wohnte der Kaiser? Hatte der Soldaten? usw. Sie fanden es total interessant.

 

Ebenso sind wir durch die mystischen Tempelanlagen Angkor Wats geklettert, haben die Monets und van Goghs im Musee d’Orsay in Paris mit 8jährigen bestaunt….

Apropos Paris: Die Besteigung des Eiffelturms war das absolute Highlight der Jungs in unserem 4-wöchigen Frankreich-Trip. Und die Jungs waren es,  die auf die Besichtigung der Cathedrale Note Dame bestanden, obwohl der Papa eigentlich keine Lust hatte wegen der Warteschlange. Soviel dazu.

 

Überhaupt Kirchen: Allein schon, weil die Kids so gerne eine Kerze in den Kirchen anzünden, gehen sie immer gerne rein. 

 

Auch eine Mittelalterburg im Elsass und die alte Festung in Carcassonne waren absolut toll für die Kinder. Wir haben gemeinsam die Architektur in Salamanca bestaunt und uns die Füße in Porto oder Sydney platt gelaufen.

 

Und überall haben die Kids so viele Eindrücke und Erfahrungen gewonnen. Über Geschichte, über Kunst, über Politik, über Natur usw.

 

In Berlin haben wir den Reichstag und das Holocaust Mahnmal besichtigt und über die deutsche Geschichte und Politik gesprochen. In Brüssel und Straßburg haben wir mit den Kindern viel über die EU und ihre Bedeutung gesprochen. In Südafrika über die Apartheid.

Bildung zum Anfassen.

Reisen mit Kids ist anders…. Na und?

ABER: Na…. Kommt jetzt das große ABER? Nein. Nur ein ganz kleines.

Natürlich ist ein Städtetrip, ein Museumsbesuch oder eine Tempelbesichtigung mit Kids nicht so wie ohne. Wer würde das ernsthaft erwarten? Das ganze Leben mit Kindern ist halt anders, als ein Leben ohne.

 

Natürlich ist es immer wichtig, solche Reisen / Eindrücke „kindgerecht“ zu vermitteln und zu gestalten. „Kindgerecht“ vermitteln heißt aber definitiv nicht, diese Erfahrungen gar nicht zu vermitteln! 

Städtereisen

Und kindgerecht heißt eben auch nicht „keine Städtereisen möglich“. Wir wohnen sogar in einer Stadt! ;) Und hier in Hamburg gibt es z.B. großartige kindgerechte Sehenswürdigkeiten, von der Hafenrundfahrt über den Park Planten und Blomen bis zum Miniaturwunderland.

 

Städtereise mit Kindern heißt vielleicht nicht, stundenlang zu Shoppen (oder mit pubertierenden Kindern vielleicht gerade das ;) ), aber man kann wunderbar Gemälde im Museum anschauen (es muss ja nicht den ganzen Tag sein) oder eine Kirche besichtigen. Und zwischendurch gemütliche Spielplatzpausen oder eine Kaffee-Pause im Park machen.

Eine gewisse Entschleunigung tut auch den Eltern gut und gibt einem eine andere Perspektive auf die Stadt, abseits von Reisegruppen und Touri-Hotspots. Und das ein oder andere Eis und ein nettes Andenken lassen Städtebesichtigungen für unsere Kids sogar schnell zum Highlight auf Reisen werden.

Fremde Kulturen, Kriege und Armut – Können Kinder das verarbeiten?

Natürlich muss man bei Besichtigungen und in Gedenkstätten vorsichtig sein mit grausamen Details, ob es um den Holocaust oder um den Vietnamkrieg geht. Aber dass es Kriege gibt, und dass das ganz furchtbar für die Menschen ist, kann man auch 5jährigen schon vermitteln. Und wenn in Kambodscha viele Bettler ohne Beine sitzen, kann und muss man auch dieses vorsichtig erklären.

 

Überhaupt Armut, andere Arten zu Leben… Kinder stehen diesem erstmal, gerade wenn sie noch klein sind, absolut wertfrei gegenüber. Und gerade diese Offenheit gegenüber anderen Lebensweisen, anderen Schicksalen, anderen Kulturen gilt es doch zu bewahren, indem man ihnen beständig die Vielfalt der Welt vermittelt.

Wo kann man das besser tun, als auf Reisen? 

Auch die Eltern profitieren

Kinder sind per se erstmal für alles zu begeistern, die menschliche Neugier, die Kinder noch in so reiner Form haben, kann man über's Reisen so wunderbar füttern. Und dabei auch selbst ganz neue Einblicke gewinnen, die Städte, die Kultur und die Geschichte aus einer anderen Perspektive neu lernen und erleben.

Das finde ich persönlich unglaublich bereichernd. Auch wenn man sich manchmal auch wieder einen Städtetrip in trauter Zweisamkeit wünscht, um mal wieder ein bisschen Paarzeit zu genießen ohne Rücksicht auf die Interessen der Kinder zu nehmen. Aber auch mit Kindern sind solche Trips nicht nur möglich, sondern sogar richtig toll.

 

Und wollt Ihr wirklich warten, bis die Kinder vermeintlich groß genug sind? Oder Ihr gar in Rente seid? Nutzt lieber die Chance, viele Dinge gemeinsam mit Euren Kindern zu erleben und die Welt ganz neu durch Kinderaugen zu sehen. Euren Kindern müsst Ihr es nicht zutrauen. Traut es Euch zu.

Um einen m.E. besten Buchtitel der letzten Zeit zu zitieren (das Buch habe ich allerdings nicht gelesen…): Das Leben ist zu kurz für später.

Lebt es jetzt – mit Euren Kindern.


Was sind Eure Erfahrungen? Macht Ihr Städtetrips und Besichtigungen mit Kind(ern)? Oder kennt Ihr im Umfeld Familien, die "wegen der Kinder" nur Cluburlaub mit Kinderbetreuung machen?


Tolle Städtereiseführer für Kinder: *

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Kommentare: 2
  • #1

    Miriam (Sonntag, 25 August 2019 20:55)

    Was für ein schöner Beitrag! Ich sehe das absolut genau so wie Du! Reisen mit Kindern entschleunigt. Aber es bereichert ungemein. Ich freue mich darauf unserem Sohn die Welt zu zeigen so wie sie ist. Die schönen und die weniger schönen Seiten. Das bereichert auch die Kinder.
    Lg Miriam

  • #2

    flipflopblog (Montag, 26 August 2019 10:32)

    Danke Dir, liebe Miriam! Dein Sohn wird davon sicher profitieren. Und Ihr Eltern auch. Allzeit gute Reise! :)